Rückschau

11. Januar bis 5. Juli 2020
Neuköllner Kriegskinder.
Videoinstallation von Ina Rommee in Kooperation mit Stefan Krauss


Die Videoinstallation basiert auf den persönlichen Geschichten von betagten Damen und Herren, die nebeneinander wie an einem virtuellen Konferenztisch sitzen. Sie berichten von ihren Erlebnissen während des Zweiten Weltkriegs und den ersten Jahren danach. Im Jahr 1945 sind sie zwischen vier und siebzehn Jahre alt gewesen und erzählen sehr emotional, aber auch manchmal erschreckend nüchtern, unglaubliche Geschichten, die sie als Kinder oder Jugendliche in Berlin erlebt haben. Sie
stehen damit stellvertretend für eine ganze Generation, die mit ihren persönlichen Schicksalen wenig Stimme, wenig Raum im gesellschaftlichen Kontext bekommen haben. Durch die Form der Präsentation wird ein Gefühl der Unmittelbarkeit und der Präsenz erzeugt. Wir hören nur Ausschnitte ihres Lebens, die jedoch durch die Form der Montage eine gemeinsame Narration ergeben. Sie scheinen sich gegenseitig zuzuhören und aufeinander zu reagieren, aber im Wesentlichen richten sich ihre Mitteilungen an die nachfolgende und junge Generation.


Mit dieser Videoinstallation wurde eine sehr eindringliche und überzeugende Arbeit geschaffen, in der die dokumentarische Herangehensweise mit der künstlerischen Gestaltung eine gelungene Fusion eingeht. Die einzelnen Erzählstränge wurden durch die Montage zu einer komplexen Narration verwoben und zeigen uns wie eine spannende Form der Vermittlung und Archivierung von Zeitgeschichte(n) aussehen kann. Die Kriegskinder sind alt geworden, daher ist es höchste Zeit Ihnen noch einmal zuzuhören und mit Ihnen ins Gespräch zu kommen. Unter anderem wurden die Senior*innen gebeten auch zu den aktuellen kriegsbedingten Flüchtlingsströmen und der politischen Situation Stellung zu nehmen in der Erwartung, dass die eigenen leidvoll gemachten Erfahrungen zu einem empathischen Verständnis für andere in Not geratene Menschen führt.


11. Mai bis 30. Dezember 2019
In guten Händen. Handwerk in Neukölln

Die Ausstellung „In guten Händen. Handwerk in Neukölln“ präsentierte zahlreiche Werkstücke und Produkte aus Neuköllner Handwerksbetrieben, darunter ein Waschbecken aus Holz, eine Orthese aus modernen Karbonfasern und filigranen Silberschmuck. Die Atmosphäre und der Umgang mit den Materialien in den verschiedenen Werkstätten wurde durch detailreiche Fotoserien in Szene gesetzt. In kurzen Filmen berichteten Handwerkerinnen und Handwerker von ihrem Alltag, der Faszination und den besonderen Anforderungen ihres Berufes.

Historisches Werkzeug, Ofenkacheln und ein Mosaik der Mosaikwerkstätten Puhl & Wagner aus der Sammlung des Museums verweisen auf die Handwerkskunst von Neuköllner Werkstätten in der Vergangenheit. Trotzdes grundlegenden Beitrags, den das Handwerk zu allen Zeiten für den Lebensstil der Gesellschaft in denn Bereichen Mode, Architektur, Medizin, Mobilität und Ernährung geleistet hat, unterlag das Ansehen des Handwerks in seiner Geschichte stets starken Schwankungen. Heute gibt es in vielen Gewerken Nachwuchssorgen und die Digitalisierung stellt eine gewaltige Herausforderung dar – genau der richtige Zeitpunkt für eine Würdigung der Vielfalt und Produktivität des Handwerks in Neukölln.

Hier geht es zur Website der Ausstellung!