Meine Erfahrung mit dem Buddhismus

Schon früher war mir der Begriff „Buddhismus“ nicht völlig fremd, jedoch konnte ich mir darunter nicht mehr vorstellen, als der durchschnittliche Schüler. Yoga, der „fette Typ im Schneidersitz“ … das waren Dinge, die mir zum Buddhismus einfielen. Der Buddhismus interessierte mich genauso wenig wie andere Religionen.
Nachdem wir uns zwei Monate lang mit dem Buddhismus beschäftigt und praktizierende Buddhisten persönlich getroffen haben, ist „Faszination“ das beste Wort, um meine Emotionen gegenüber dem Buddhismus beschreiben zu können.
Während der letzten zwei Monate durfte ich einige interessante Menschen kennenlernen und deren Ansichten zum Buddhismus erfahren. Den ersten bewussten Kontakt zu dieser Religion hatte ich im Buddhistischen Tor in Kreuzberg. Wir trafen dort Sraddhabandhu, einen praktikzierenden Buddhisten, und ich war überrascht, wie entspannt und bescheiden und vor allem sich seiner selbst bewusst er uns gegenübertrat.
Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass es im Buddhismus schon fast Voraussetzung ist, sich seiner selbst bewusst zu sein. Denn nur, wenn man begreift wer man ist und wer nicht, kann man lernen nur man selbst zu sein. Es ist sicher nicht das wichtigste Merkmal, aber doch ein festes Standbein eines einzelnen Buddhisten wie auch innerhalb der gesamten buddhistischen Gemeinschaft.
Eine der Fragen, die gestellt wurden, war, ob man als Erleuchteter all seine Emotionen verliere, da sie nur als Paradoxe existieren könnten. Ich glaube nicht, dass man weder „gute“ noch „schlechte“ Emotionen verliert. Allerdings gewinnt man die Kraft, sich von den „schlechten“ Emotionen differenzieren zu können.
Mein Interesse an Religion war nie groß, ich war schon fast abgeneigt ihr gegenüber. Der Gedanke, einem alleinigen Gott zu folgen und seine Existenz nicht hinterfragen zu dürfen, irritierte mich. Die Tatsache, dass der Buddhismus diese Annahme wegwischte, erstaunte mich positiv. Buddhisten beten keinen Gott an. Stattdessen schauen sie zu jemand auf, der es geschafft hatte, sich von jeglichen negativen Emotionen losgesagt hatte. Genau dieser Fakt radiert die Linie aus, die sich sonst zwischen Menschen und ihren Göttern zieht. Menschen beten nicht zu Buddha, sie bitten ihn nicht um Hilfe. Sie wollen dasselbe Nirvana erreichen wie er. Ich finde es bewundernswert, dass Menschen ein so pures Ziel erreichen wollen.
Das wichtigste und reinste Gebot dieser Religion ist jedoch „Liebe bedenkenlos“. Zwar gibt es das auch in anderen Religionen, allerdings erscheint es mir im Buddhismus am sichtbarsten. So heißt es weiter, dass nicht aus Kompromissen heraus geliebt werden soll, sondern weil der Mensch Mensch ist.
Unabhängig welcher Glaubensrichtung man folgt und welche Verkörperung der Besonnenheit und des Glücks man für die Wahre hält; der spirituelle Weg ist am Ende das Ziel und stets derselbe. Nirvana ist nichts anderes als die Befreiung jeglichen Leids, ob man es Erleuchtung, Himmel, Frieden oder Seligkeit nennt.
Ist es nicht genau das, was wir alle irgendwann erreichen wollen?

-anonym-

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