100 Jahre Umbenennung Rixdorfs zu Neukölln

Nachdem Neukölln 2011 Jahr den 650. Geburtstag Rixdorfs gefeiert hat, erinnert der Bezirk 2012 an einen weiteren einschneidenden Moment seiner Geschichte. Am 18. Januar 1912 beschlossen die Rixdorfer Stadtväter, den Namen ihrer Gemeinde in Neukölln zu ändern. Aus diesem Anlass werden Schauspieler der Berliner Companie, Bezirksverordneten-Vorsteher Jürgen Koglin und Kulturstadträtin Dr. Franziska Giffey in historische Kostüme schlüpfen und die kontroverse Debatte in der letzten Rixdorfer Stadtverordnetenversammlung im heutigen BVV-Saal nachstellen.

Die Ausstellung des Mobilen Museums beleuchtete die Hintergründe der damaligen Entscheidung: den schlechten Ruf Rixdorfs im Kaiserreich, die Interessen von Stadtplanern und Bauspekulanten, den kommunalen Klassenkampf zwischen bürgerlichem Magistrat und sozialdemokratischer Opposition. Deutlich wird, dass die Namensänderung keineswegs dem mehrheitlichen Willen der Rixdorfer Bevölkerung entsprach. Vielmehr handelte es sich um eine imagepolitische Maßnahme einer kleinen bürgerlichen Elite um den damaligen Oberbürgermeister Curt Kaiser und den Stadtverordnetenvorsteher Hermann Sander zur Abwehr einer drohenden kommunalpolitischen Machtübernahme der in Rixdorf besonders starken Sozialdemokraten. Neue Aktenfunde belegen, dass die Rixdorfer Stadtväter dabei von der obersten preußischen Staatsführung und Kaiser Wilhelm II. persönlich unterstützt wurden.

Da die Umbenennung 1912 über die Köpfe der Bevölkerung hinweg entschieden wurde, wendet sich das Museum Neukölln jetzt in einer Umfrage direkt an die Besucher. In der Ausstellung wurden sie gefragt, welche Bedeutung für sie der Name Rixdorf weiterhin besitzt und welches Image sich heute mit dem Namen Neukölln verbindet. Manche Probleme der Imagepolitik zu Kaisers Zeiten konnten sich dabei als erstaunlich aktuell erweisen.