Verdrängte Geschichte. Spuren kolonialer Vergangenheit in Neukölln

Neben den Hansestädten Hamburg und Bremen mit ihren Über-seehäfen entwickelte sich die Reichshauptstadt Berlin nach dem Ende der viermonatigen Kongo-Konferenz im Februar 1885 schnell zur deutschen Kolonialmetropole. Spuren des Kolonialis-mus finden sich deshalb auch im Stadtbild Neuköllns. Eine Spur führt in die Wissmannstraße, benannt nach Hermann von Wiss-mann, Gouverneur von Deutsch-Ostafrika. Eine weitere Spur führt in die Woermannkehre. Namensgeber Adolph Woermann galt mit der Woermann-Linie als größter Privatreeder der Welt und war maßgeblich an der Einrichtung der deutschen Kolonien in Afrika beteiligt. Auch auf dem Garnisonfriedhof Columbiadamm ist unsere koloniale Vergangenheit sichtbar: Dort liegt der „Herero-Stein“ samt einer im Oktober 2009 eingeweihten Namibia-Gedenkplatte. Während bis vor kurzem nur der Täter gedacht wurde, erinnert der Ergänzungsstein jetzt auch an die mehr als 50 000 von deutschen Truppen vernichteten Herero und Nama während des Aufstandes von 1904 bis 1907.

Die vom Museum Neukölln erarbeitete mobile Ausstellung ist ein Beitrag zur aktuellen Diskussion um die deutsche koloniale Vergangenheit.