Stolperstein für Adolf Mockrauer

Der am 11.12.1868 im heutigen Toszek (Polen) geborene Apotheker Adolf Mockrauer eröffnete am 10.11.1928 in der Rudower Allee 86 (heute Buschkrugallee 179) die Albrecht-Dürer-Apotheke. Sehr schnell gelang es ihm, die Apotheke zu einer von den Bewohner*innen der Großsiedlung Britz stark nachgefragten Einrichtung zu entwickeln.

1935 wurden ihm wegen vermeintlicher Beschwerden die Apothekenräume und seine Wohnung darüber gekündigt. Für die Beschwerden gab es jedoch keine Belege. Er konnte seine Apotheke als Geschäftsführer weiterführen, da er mit dem NSDAP-Mitglied Johannes Büker einen Pächter fand, der seine Räumlichkeiten übernahm und Mockrauer die Geschäftsführung überließ. Für die Britzer Bevölkerung änderte sich demnach nichts und sie besuchten die Apotheke weiter.

Erst in der Nacht zum 10. November 1938 wurde die positive Entwicklung der Apotheke gewaltsam gestoppt. Neuköllner SA-Leute zertrümmerten die Scheiben und die Einrichtung der Apotheke und verprügelten Adolf Mockrauer. Zwar konnten Anwohner, die Mockrauer zur Hilfe kamen, die Plünderung der Apotheke weitgehend verhindern, dennoch war der materielle Schaden erheblich.

Die Auflagen, die Schadenskosten unter Ausschluss der Versicherung selbst zu übernehmen, die Zahlung der „Judenvermögensabgabe“ in Höhe von 20 % des im April 1938 verzeichneten Vermögens sowie der Entzug der Apothekerzulassung und das generelle Beschäftigungsverbot für Juden in Apotheken führten zu der Entscheidung, ins Exil zu fliehen.

Da Mockrauer über keine finanziellen Mittel mehr verfügte, blieb ihm kaum eine Wahl der Exilländer, er floh nach Chile, da die dortige Volksfrontregierung die sehr rigiden Einwanderungsgesetze für Flüchtlinge aus Deutschland 1938 außer Kraft gesetzt hatte und ohne Auflagen Visa erteilte. Im März 1939 erhielt Mockrauer nach Abgabe seines nahezu gesamten Besitzes die Ausreisegenehmigung. In Chile wurde ihm eine Unterkunft in Quilpué in der Provinz Valparaiso zugewiesen.

Doch es gelang ihm nicht sich in seine neue Umgebung zu integrieren. Hierfür waren nicht nur seine materielle Notlage und seine mangelhaften Spanisch-Kenntnisse verantwortlich. Hinzu kam, dass in Chile seine Approbation nicht anerkannt wurde, so dass er auch keine berufliche Perspektive besaß. Für einen beruflichen Neuanfang sah er mit seinen 71 Jahren unter den Gegebenheiten keine Möglichkeit. Schließlich wurde die soziale Isolation noch dadurch verschärft, dass in Quilpué Nationalsozialisten und Antisemiten in der Kolonie der Deutschchilenen einen starken Einfluss besaßen und gegen die Flüchtlinge Front machten.

Aus dieser verzweifelten Situation heraus nahm sich Adolf Mockrauer am 16.9.1940 das Leben.

Zeit:

16. Juni 2018, 13:35 Uhr